Eine kleine Geschichte des Netzwerks

Wie alles begann

Ende der 1990er Jahre entstanden in Deutschland die ersten unabhängigen Hostels jenseits der alt bekannten Jugendherbergen. Gegründet wurden sie meist von ehemaligen Backpackern, die ihre individuellen Vorstellungen mit viel Enthusiasmus und wenig Erfahrung im Gastgewerbe in die Tat umsetzten. Zu Beginn des neuen Jahrtausends kam die Idee auf, sich zu vernetzen und gegenseitig zu unterstützen. Es entstand das Backpacker Network Germany, das seit 2002 ein eingetragener Verein ist. Zu der Zeit waren die jährlichen Vereinsversammlungen nicht nur eine Gelegenheit sich fachlich auszutauschen sondern auch gemeinsam zu feiern. Die Nächte wurden gelegentlich durch gemacht, die offizielle Vereinssitzung nicht selten mit müden Gesichtern und im Zigarettennebel abgehalten. Es gab viel zu diskutieren, meist darüber, was ein „echtes“ Hostel ausmacht. Mindeststandards wie Mehrbettzimmer und Gemeinschaftsräume wurden fest geschrieben. Und dass ein Hostel, das Mitglied werden wollte, individuell und inhabergeführt sein soll.

Die Hochphase

Die Gründung des Vereins sorgte u.a. dafür, dass Neugründer nun auch eine Anlaufstelle hatten und viel Unterstützung bekamen. Mehr und mehr Hostels kamen dazu. Zehn Jahre nach der Gründung zählte der Verein um die 60 Hostels. Der Name Backpacker Network, der eher suggerierte, es handele sich um ein Netzwerk von Backpackern und nicht von Hostels wurde ausgetauscht gegen die international verständlichen Independent Hostels of Germany. Kooperationen über die Landesgrenzen hinaus entstanden. Die Abgrenzung zu Hotelketten, die nun auch das Wort Hostel für das Marketing entdeckt hatten, war eines der großen Themen in dieser Zeit.

Um die unabhängigen Hostels zu stärken wurde das Deutsche Hosteltreffen ins Leben gerufen. Der damalige Vorstand investierte viel Zeit und Energie in die Ausrichtung der Treffen. Auch die Homepage veränderte sich von einer Anlaufstelle für Hostelbetreiber zu einer Seite für den Gast. Hostels wurden gelistet und ein Buchungstool eingerichtet, um eine Alternative zu den provisionspflichtigen Buchungsplattformen zu schaffen.

Und dann reiste Anfang 2020 statt Backpackern ein Virus um die Welt....

Auf ein Neues

Zwei Jahre mit Lockdowns und anderen Maßnahmen haben Spuren hinterlassen. Alles, was ein Hostel ausmachte – Begegnung, Austausch, das Miteinander – war kaum möglich. Das Deutsche Hosteltreffen konnte nicht mehr statt finden. Unser Novembertreffen fand in kleiner Runde 2021 in Hamburg statt. Und die Erkenntnis machte sich breit, dass auch bei uns sich viel geändert hatte.

Unser Verein hat seither einige Mitglieder verloren. Doch während dieser Zeit wurde einmal mehr deutlich, dass der Austausch untereinander das wichtigste Gut ist, das wir haben. Die gegenseitige Hilfe und moralische Unterstützung waren und sind unbezahlbar. Ein Deutsches Hosteltreffen wie vor 2020 ist erst einmal in weite Ferne gerückt. Statt dessen haben wir den Fokus nun erst mal wieder auf den gegenseitigen Austausch und das Miteinander gelegt. Wie in den Anfangsjahren möchten wir gerne den Kreis der Mitgliedshostels erweitern, bestehende Hostels von der gemeinsamen Sache überzeugen und Existenzgründern eine Anlaufstelle bieten, damit die Hostelkultur auch in Deutschland eine Zukunft hat.